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Fragenkatalog · Kollege/Kollegin

50 Fragen an Kolleg:innen über Werte, die am Schreibtisch bleiben

50 Wertefragen, die du Kolleg:innen wirklich stellen kannst: was sie nicht abkürzen, für wen die Arbeit gemacht wird, wo Person und Rolle sich trennen.

Von Endearist 50 Fragen

Du kannst sechs Jahre lang zwei Schreibtische von jemandem entfernt sitzen und genau wissen, was diese Person nicht tut, ohne je gefragt zu haben, warum. Du hast gesehen, wie sie eine Abkürzung ausgeschlagen hat, die niemandem aufgefallen wäre, wie sie wegen eines fremden Fehlers länger geblieben ist, wie sie in der Besprechung still wurde, in der die Entscheidung anders fiel. Das sind Werte, in der einzigen Form, in der die Arbeit sie je zeigt: als Verhalten, unerklärt. Diese fünfzig Fragen fragen nach der Erklärung. Sie bleiben strikt bei der Arbeit, denn nur dort schulden Kolleg:innen dir überhaupt eine Antwort — und dort sitzen zufällig auch die Antworten, die etwas taugen.

Was bei dir nicht verhandelbar ist

Grundsätze hat jeder, solange die Woche ruhig ist. Interessant wird, welche davon einen Abgabetermin überleben, denn Druck hängt Dingen ein Preisschild an, von denen man geschworen hätte, sie hätten keines. Diese Fragen zielen auf die Tauschgeschäfte, die deine Kollegin wirklich gemacht und wirklich abgelehnt hat — in der Vergangenheitsform, wo es Belege gibt statt Absichten.

  1. Welche kleinste Abkürzung lässt du dir hier nicht durchgehen, auch wenn es nie jemand merken würde? Fang damit an — die Frage lässt sich in einem Satz beantworten und legt den Ton für alles Weitere fest. Was genannt wird, ist meistens das, was jemandem als Erstes beigebracht wurde.
  2. Hast du hier schon einmal wirklich etwas abgelehnt — nicht würdest du, sondern hast du? Die Vergangenheitsform ist hier die eigentliche Frage. Die hypothetische Fassung beantworten Leute großzügig, die echte genau — und nur eine davon bringt etwas.
  3. Wenn ein Abgabetermin dieses Team zu einem Kompromiss zwingt: Was schützt du zuerst, und was fliegt zuerst raus? Achte darauf, ob die Antwort eine Kategorie ist oder ein Beispiel. Kategorien sind Absichtserklärungen, Beispiele sind das, was im letzten Quartal tatsächlich passiert ist.
  4. Was heißt für dich „gut genug zum Ausliefern“ — und würden wir anderen dasselbe sagen? Zwei Leute im selben Team haben oft Definitionen, die drei Wochen auseinanderliegen. Sie einmal laut zu vergleichen hat Teams schon eine ganze Review-Runde erspart.
  5. Was müsste hier zur Normalität werden, damit du nicht mehr bleiben könntest? Stell sie niemandem, über den du Beurteilungen schreibst — von einer Führungskraft klingt sie nach Kündigungsfrage und bekommt eine kündigungssichere Antwort. Unter Gleichrangigen ist sie eines der ehrlichsten Dinge, die dir jemand sagt.
  6. Auf welche Arbeit bist du hier am stolzesten, für die dir nie jemand gedankt hat? Unbedankte Arbeit ist gewählte Arbeit — niemand macht sie für die Anerkennung, es gab ja keine. Was auch immer genannt wird, benennt den Wert direkt, ganz ohne Selbstbeschreibung.
  7. Gab es hier etwas, das du mitgetragen hast und bis heute für falsch hältst? Beantworte sie zuerst für dich selbst, sonst kommt sie als Vorwurf mit Fragezeichen an. Und nimm die Antwort an, ohne jemanden zu entlasten — die Beruhigung wäre für dich, nicht für dein Gegenüber.
  8. Was machst du anders als die meisten in deiner Rolle hier, und zwar mit Absicht? „Mit Absicht“ trägt die ganze Frage; ohne den Zusatz bekommst du eine Liste von Gewohnheiten. Die Nachfrage, die sich lohnt: Was kostet es, es weiter so zu machen?
  9. Gibt es hier eine Regel, an die du dich hältst, obwohl niemand nachschaut? Leicht genug für den Flur und trotzdem eine echte Antwort. Kommt „keine“ zurück, ist auch das eine Antwort — und eine interessantere, als sie klingt.
  10. Bist du hier schon einmal für etwas gelobt worden, von dem du wusstest, dass du es schlecht gemacht hast? Wichtig ist, was danach kam: richtiggestellt, geschwiegen oder dem Lob still nicht mehr geglaubt. Alle drei kommen häufig vor und weisen in ganz verschiedene Richtungen.
  11. Gibt es hier Arbeit, die du ablehnen würdest, auch wenn sie besser bezahlt und leichter wäre? Geld und Bequemlichkeit zusammen machen es schwer, hier mit einer Floskel zu antworten. Kommt die Antwort schnell, frag nach, wann sich das zuletzt beweisen ließ.
  12. Welcher deiner Maßstäbe hat dieses Team schon Zeit gekostet — und würdest du sie noch einmal ausgeben? Der zweite Teil ist die Probe: Ein Maßstab ohne Rechnung ist nur eine Vorliebe. Fällt kein Fall ein, lass die Stille stehen, statt sie für dein Gegenüber zu füllen.
  13. Wovon sollten Kolleg:innen dich abhalten, falls du hier je damit anfängst? Das ist eine Bitte im Gewand einer Frage, und Leute nehmen sie ernst. Merk dir, was genannt wird — du hast gerade eine Erlaubnis bekommen, die du sonst nie bekommst.

Wer am anderen Ende sitzt

An den meisten Arbeitstagen kommst du von morgens bis abends, ohne dir ein einziges Mal den Menschen vorzustellen, bei dem dein Ergebnis ankommt. Das ist kein Zynismus, das ist Entfernung — und genau in dieser Entfernung trifft ein Team seine stillen Entscheidungen darüber, wer zählt. Diese Fragen geben dem anderen Ende der Arbeit wieder ein Gesicht — und woanders wird über Anstand im Betrieb selten entschieden.

  1. Wer sitzt am anderen Ende dessen, was wir hier machen — kannst du dir eine dieser Personen vorstellen? Die Hälfte aller Kolleg:innen kann das nicht, und es auszusprechen ist oft der Moment, in dem es ihnen zum ersten Mal auffällt. Um dieses Auffallen geht es; es geht nicht darum, eine richtige Antwort einzusammeln.
  2. Wenn wir etwas falsch machen: Wer zahlt dafür — und sind wir das je selbst? Teams, die ihre eigenen Fehler nie ausbaden, entwickeln ungewollt seltsame Maßstäbe. Frag nach einem konkreten Fall, nicht nach dem allgemeinen Muster.
  3. Was schulden wir der Person, die das hier pflegen muss, wenn wir beide längst weg sind? Ein guter Anhaltspunkt dafür, ob jemand fürs Quartal arbeitet oder fürs Jahrzehnt. Die Antwort kommt meistens als Klage über jemanden, der es nicht getan hat.
  4. Welchen Teil deiner Arbeit würdest du weitermachen, wenn er auf nichts mehr einzahlte? Leichter, als sie aussieht, und sie trifft direkt das, was jemandem an der Arbeit wirklich etwas bedeutet. Antworte selbst, wenn jemand zögert — die Pause ist meist Überraschung, nicht Unwille.
  5. Wenn du dir hier etwas leichter machst: Für wen wird es dadurch meistens schwerer? Eine schmeichelhafte Antwort hat hier niemand, eine Antwort hat jeder. Leg deine zuerst vor, und nimm die, die dir wirklich ein bisschen peinlich ist.
  6. Gibt es eine Gruppe, für die unsere Arbeit still und leise nicht funktioniert — und hat das hier je jemand ausgesprochen? Der zweite Teil ist der schärfere: Wissen ist verbreitet, Aussprechen selten, und um den Abstand dazwischen geht es hier eigentlich.
  7. Was schuldest du Kolleg:innen, die gerade nicht klarkommen — und wo hört das auf? Der zweite Teil verhindert einen Tugendwettbewerb. Wer wirklich schon einmal jemanden mitgetragen hat, nennt eine Grenze; wer nicht, nennt keine.
  8. Wer hat dir beigebracht, wie gute Arbeit aussieht, lange bevor du hier warst — und was hat diese Person konkret gemacht? Der zweite Teil bewahrt die Frage davor, ein Name plus ein warmes Adjektiv zu bleiben. Was diese Person konkret gemacht hat, ist der Maßstab, an dem deine Kollegin bis heute misst.
  9. Wenn die Firma gewinnt und die Kundschaft nicht: Wie entscheidest du dann? Lass es abstrakt, wenn dein Gegenüber es abstrakt haben will — vielleicht möchte jemand den aktuellen Fall nicht benennen, und die allgemeine Antwort ist trotzdem etwas wert. Bohr nicht nach dem Fall.
  10. Wenn jemand Jüngeres diesen Job komplett dadurch lernte, dir zuzusehen: Was würde diese Person übernehmen, worüber du froh wärst — und was sollte sie sich wieder abgewöhnen? Im Abgewöhnen-Teil steckt die ehrliche Antwort, und er fällt viel leichter als ein direktes Eingeständnis. Rede die Antwort niemandem aus.
  11. Wessen Job ist hier schwerer, als er von außen aussieht? Sicher, großzügig, und es verrät dir, wen deine Kollegin tatsächlich wahrnimmt. Gib die Antwort an die genannte Person weiter — es kostet nichts und kommt ungewöhnlich gut an.
  12. Sind wir gegenüber unserer Kundschaft ehrlich — oder nur vorsichtig? Eine Frage über die Firma und nicht über die Person — genau deshalb wird sie beantwortet. Halt sie bei den Formulierungen, die wir alle benutzen, und nicht bei der Kollegin, die sie geschrieben hat.

Wie du widersprichst — und die Woche danach

Aus einer Auseinandersetzung, die jemand gewonnen hat, erfährst du fast nichts über ihn. Aufschlussreich ist die Woche danach, wenn er verloren hat: ob er es aus dem Raum mitgenommen hat, ob er still geworden ist, ob er anschließend die Entscheidung mitgetragen hat, gegen die er argumentiert hatte. Genau auf diese Woche zielen diese Fragen.

  1. Wenn du hier mit einer Entscheidung nicht einverstanden bist: Wo landet das dann — im Meeting, auf dem Flur oder nirgends? Drei vorgegebene Möglichkeiten machen die Frage beantwortbar, ohne dass jemand jemanden beschuldigen muss. „Auf dem Flur“ gewinnt mit Abstand, und die lohnende Nachfrage lautet: warum?
  2. Wofür hast du hier zuletzt argumentiert und verloren? Frag, was in der Woche danach passiert ist, und nicht, ob dein Gegenüber recht hatte. Die Woche danach ist der aufschlussreiche Teil.
  3. Woran erkennst du hier den Unterschied zwischen einer Entscheidung, die dir nicht passt, und einer, mit der du nicht leben kannst? Die wenigsten mussten dieses Kriterium je aussprechen, also lass die Pause lang genug, damit es entstehen kann. Die Antwort überrascht dein Gegenüber meist mehr als dich.
  4. Wer kann dich hier umstimmen, und was machen diese Leute, das funktioniert? Der zweite Teil ist eine brauchbare Gebrauchsanweisung dafür, wie man an diese Person herankommt. Nimm sie wörtlich — näher an ein Handbuch für diese Person kommst du nicht.
  5. Hast du hier je in einer Besprechung geschwiegen und es länger bereut, als du gedacht hättest? Fast alle haben so einen Fall, und fast niemand hat ihn erzählt. Antworte bloß nicht mit einer Erklärung, warum Reden schon in Ordnung gewesen wäre — mit diesem Satz ist das Gespräch vorbei.
  6. Was würde dich dazu bringen, hier den Dienstweg zu übergehen — und hast du das schon? Falls ja, lass erzählen, ohne nach dem Namen zu fragen. Namen machen aus einem Wertegespräch Flurfunk, den ihr beide bis Freitag bereut.
  7. Hättest du lieber recht oder wärst du lieber unkompliziert im Team — und was davon würden wir anderen über dich sagen? Der zweite Teil macht aus einer Partyfrage eine echte. Was auch immer behauptet wird: Sag, was du siehst — aber nur freundlich und nur ein einziges Mal.
  8. Wenn du hier eine Entscheidung mitträgst, gegen die du argumentiert hast: Ist das Loyalität oder Aufgeben? Eine richtige Antwort gibt es nicht, und das weiß dein Gegenüber — deshalb kommt Nachdenken statt einer Position. Frag, was es beim letzten Mal war, und schon ist es keine Philosophie mehr.
  9. Wie widersprichst du hier jemandem weiter oben, ohne dass es dich etwas kostet? Halb Wertefrage, halb kostenlose Schulung. Wenn jemand eine Methode hat, lass dir das letzte Mal Satz für Satz vorführen.
  10. Gibt es hier einen Streitpunkt, der nie ausgeräumt wurde — und beschäftigt er dich noch? Halt es bei der Sache, die nie geklärt wurde, und nicht bei der Person auf der anderen Seite. Fällt trotzdem ein Name, lass ihn liegen.
  11. Hat hier jemand verändert, was du darüber denkst, wie man diesen Job machen sollte? Eine großzügige Frage, die trotzdem schwer zu beantworten ist, weil sie das Eingeständnis einer früheren Haltung verlangt. Wenn die Antwort du bist, freu dich bitte nicht hörbar.
  12. Wo hört ein Einwand auf und wo fängt Gejammer an — und auf welcher Seite landest du hier? Jeder hat dazu eine eigene Definition, und fast nie deckt sie sich mit der des Teams. Vergleicht die beiden Definitionen, statt deine zu verteidigen.
  13. Wenn du hier überstimmt worden wärst und es dann schiefgegangen wäre: Was sollte danach passieren? Vorher gestellt ist das eine Probe, hinterher ein Tribunal. Stell sie in einer ruhigen Woche, dann wird aus der Antwort etwas, das dem Team wirklich nützt.

Der Teil, den der Job nicht bekommt

Diese Gruppe entscheidet darüber, ob der Rest der Seite überhaupt brauchbar ist. Statt zu fragen, was jemand über Politik, Geld oder Familie denkt — geht dich nichts an, und in etlichen Ländern die Firma auch nicht —, fragen diese Fragen danach, wo die Person die Grenze selbst zieht. Du bekommst die Grenze beschrieben statt abgetastet. Das ist die sicherere Frage und, seltsamerweise, die aufschlussreichere.

  1. Worin bist du gut, was dieser Job noch kein einziges Mal gebraucht hat — und hätte irgendwer von uns es geahnt? Ein sanfter Einstieg in diese Gruppe und die einzige Frage hier, bei der zuverlässig gelacht wird. Meistens endet es damit, dass es jemand vorführen soll.
  2. Welche deiner Maßstäbe sind deine eigenen, und welche kamen mit der Stellenbezeichnung? Die wenigsten haben das je auseinandersortiert und tun es hier laut und live. Lass das Sortieren dauern — in den Pausen wird es ehrlich.
  3. Was bekommt dieser Job von dir, das du ihm nie verkaufen würdest — und was gibst du trotzdem umsonst her? Im zweiten Teil hören Leute sich selbst zu. Mach daraus bitte keinen Ratschlag über Grenzen — dein Gegenüber ist allein auf den Satz gekommen, und das reicht für ein Gespräch.
  4. Wann endet dein Arbeitstag wirklich? Nicht im Kalender, den wir teilen — im Kopf. Konkret und beantwortbar, während die abstrakte Fassung über Work-Life-Balance nur eine Floskel einbringt. Lautet die Antwort „nie“, verkneif dir die Sofortlösung.
  5. Gibt es eine Fassung von dir, die du hier an der Tür lässt — und fehlt sie dir? Tief und trotzdem ganz bei der Arbeit — deshalb lässt sie sich am Schreibtisch stellen. Fällt die Antwort kurz aus, nimm die kurze Antwort und such nicht nach dem Rest.
  6. Worüber sprichst du bei der Arbeit grundsätzlich nicht — nicht als Geheimnis, sondern aus Prinzip? Diese Frage macht den Rest der Seite sicher, weil sie nach der Kategorie fragt und nie nach dem, was darin liegt. Was auch immer genannt wird: Ab dieser Sekunde ist es zu.
  7. Was steht Leuten hier deiner Meinung nach zu, ganz unabhängig davon, wie gut sie ihre Arbeit machen? Hier geht es um die Vorstellung von einem Boden statt von einer Leiter, und der größte Teil des Anstands im Job sitzt auf dem Boden. Rechne mit etwas Konkretem; eine allgemeine Antwort heißt meist, dass noch nie jemand gefragt hat.
  8. Wenn dieser Job morgen wegfiele: Welche deiner Maßstäbe kämen mit, und welche gehörten der Firma? Achte darauf, in welche Richtung sortiert wird. Wer lange an einem Ort ist, findet oft weniger eigene, als er dachte — und diese Entdeckung verträgt etwas Stille.
  9. Wenn du sagst, dass hier etwas für dich in Ordnung geht: Wie oft stimmt das wirklich? Stell sie leichthin oder gar nicht — bei falschem Ton ist sie ein Verhör. Beantworte sie zuerst für dich, dann wird ein gemeinsamer Witz daraus, der zur Hälfte wahr ist.
  10. Was willst du heute von der Arbeit, was du nicht wolltest, als du hier angefangen hast? Zwei Zeitpunkte machen eine Veränderung sichtbar, eine Momentaufnahme nicht. Sie bietet außerdem einen bequemen Ausweg: Wer nicht antworten will, redet stattdessen über die Jahre.
  11. Hat dieser Ort verändert, was du dir gefallen lässt — in die eine oder die andere Richtung? „In die eine oder die andere Richtung“ verhindert eine Suggestivfrage, und beide Antworten kommen etwa gleich häufig. Was auch kommt: Liefer die Moral nicht mit.
  12. Was sollten wir anderen über deine Art zu arbeiten wissen, wofür du nie einen guten Moment gefunden hast? Hör damit auf. Sie gibt das Mikrofon weiter, ohne eine Form vorzugeben, und was zurückkommt, ist meistens eine kleine, konkrete Bitte, die seit Jahren darauf wartet, dass jemand fragt.

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Was du mit den Antworten machst

Die ehrlichste Antwort, die du heute Abend bekommst, ist in drei Monaten weg, wenn du sie nicht aufschreibst. Endearist bewahrt das auf — pro Person, Ende-zu-Ende verschlüsselt, mit einer Kadenzerinnerung, damit du beim nächsten Treffen wieder anknüpfen kannst, ohne dich durch deinen Chatverlauf zu wühlen.

Weitere Werkzeuge

Häufige Fragen

Ist es nicht heikel, Kolleg:innen nach ihren Werten zu fragen?

Ja — wenn du die naheliegenden stellst. Politik, Religion, Geld, Familienplanung und alles, was an ein geschütztes Merkmal rührt, gehören am Arbeitsplatz nicht dazu. Nicht, weil sie uninteressant wären, sondern weil Kolleg:innen sie nicht gefahrlos ablehnen können. Deinen Bruder abblitzen zu lassen kostet nichts; die Person abzuweisen, die jeden Tag neben dir sitzt oder deine Beurteilung schreibt, kostet etwas — und dieser Druck macht aus einer Frage einen Vorfall. Jede Frage auf dieser Seite dreht sich um Werte, wie sie in der Arbeit selbst auftauchen: was jemand nicht abkürzt, was gute Arbeit anderen schuldet, was jemand tut, nachdem er eine Auseinandersetzung verloren hat. Das lässt sich am Schreibtisch fragen, laut, mit Publikum in Hörweite.

Welche Fragen fehlen hier mit Absicht, und gibt es davon eine sichere Fassung?

Weggelassen: Überzeugungen und Zugehörigkeiten, Entscheidungen im Haushalt und in der Familie, Gesundheit, Schulden und Gehalt — und alles, worauf ein Arbeitgeber bei einer ehrlichen Antwort reagieren könnte. Zu mehreren davon gibt es eine sichere Verwandte, und der Tausch ist fast die ganze Kunst. Statt „woran glaubst du“ frag: „Was schuldet gute Arbeit anderen Menschen?“ Statt „wie findest du dein Gehalt“ frag: „Was würdest du hier ablehnen, auch wenn es besser bezahlt wäre?“ Statt „wie stehst du politisch“ frag: „Gibt es eine Gruppe, für die unsere Arbeit still nicht funktioniert?“ Statt „was ist gerade bei dir los“ frag: „Was sollten wir darüber wissen, wie du arbeitest?“ Dasselbe Thema, andere Oberfläche — und nur eine der beiden Fassungen bringt dein Gegenüber in Gefahr, wenn es ehrlich antwortet.

Kann ich diese Fragen Leuten stellen, die ich führe?

Manche, und ausgerechnet die interessantesten nicht. Eine Frage von der Person, die über Gehalt und Beförderung entscheidet, ist nie nur eine Frage. Alles, was nach einer Prüfung der Loyalität klingt, bekommt deshalb eine loyalitätssichere Antwort: was hier zur Normalität werden müsste, damit du nicht mehr bleiben könntest; wie oft es stimmt, wenn du sagst, etwas gehe für dich in Ordnung; ob dieser Ort verändert hat, was du dir gefallen lässt. Heb die für Gleichrangige auf. Gut funktioniert aus der Führungsrolle die Gruppe darüber, für wen die Arbeit gemacht wird — und jede Frage, die du selbst zuerst ausführlich beantwortest, einschließlich des Teils, der dich nicht gut aussehen lässt. Sag außerdem einmal klar, dass nichts davon in eine Beurteilung wandert. Und dann halte dich daran, denn es wird geprüft.

Was, wenn nur Worthülsen zurückkommen?

Werte-Vokabular ist das Erste, was ein Arbeitsplatz ausgibt, und das Letzte, was jemand meint — Verantwortung, Transparenz und Kundenorientierung sind also im ersten Anlauf zu erwarten. Die Lösung ist nie, härter nachzufragen, sondern Zeitform und Maßstab zu wechseln. Frag nach dem letzten Mal statt nach der allgemeinen Regel, nach einem Fall statt nach einem Grundsatz, nach dem Preis statt nach der Bedeutung. Auf „wofür hast du im Juni argumentiert und verloren“ hat niemand eine eingeübte Antwort. Und geh mit etwas Konkretem und leicht Unvorteilhaftem über dich selbst voran: Kolleg:innen antworten ungefähr so konkret, wie dein Beispiel war — ein vager Einstieg garantiert also eine vage Antwort.

Wo und wann stelle ich sie am besten?

Nebenbei, einzeln, und nie in einem Termin, den du dafür angesetzt hast. Der Weg zur Bahn, die zwanzig Minuten, die dir ein verschobenes Meeting schenkt, eine lange Zugfahrt zur Kundschaft, die ruhige Phase nach einem Release — das funktioniert alles, weil sich niemand ansehen muss und beide es fallen lassen können. Kalendereinladungen funktionieren nicht, egal wie sie heißen: Sobald eine Wertefrage terminiert ist, wird sie zur Beurteilung. Zwei weitere Regeln lohnen sich: nie mitten in dem, wonach du gerade fragst, und nie in derselben Woche wie ein Mitarbeitergespräch, in welche Richtung auch immer. Und eine Frage reicht wirklich. Wer eine echte Frage gestellt bekommt und danach nicht noch vier, bringt dir den Rest über die nächsten Monate von selbst.

Was mache ich mit dem, was Kolleg:innen mir erzählen?

Zwei Dinge, und eines davon ist eine Regel. Die Regel: Es geht nicht weiter. Nicht an deine Führungskraft, nicht als Hintergrund in einer Einstellungsrunde, nicht als Pointe beim Mittagessen. Was eine Kollegin über die Entscheidung erzählt, die sie bis heute für falsch hält, ist dir geliehen — und an dem Tag, an dem es in einem dritten Gespräch auftaucht, hörst du das letzte ehrliche Wort von ihr. Das andere: Halt es fest, für dich. Genau dieses Material lässt das Gedächtnis zuerst fallen — der Maßstab, von dem jemand nicht abrückt, die Person, die es ihm beigebracht hat, die Frage, auf die er gewartet hat. Endearist ist ein privates, Ende-zu-Ende-verschlüsseltes Notizbuch mit einer Seite pro Mensch — ein leiser Ort für die paar Sätze, mit denen das Gespräch im nächsten Quartal dort anfangen kann, wo dieses aufgehört hat.